Presseinformation 039/2024

Batterieforschung mit Synchrotronstrahlung

Neues Messinstrument für operando-Batterieforschung mit der KIT Light Source
Neues Instrument NAPXAS: Forschende fädeln den Strahl für Testmessungen in die Messkammer. (ausf. BU am Textende, Foto: Amadeus Bramsiepe, KIT)
Neues Instrument NAPXAS: Forschende fädeln den Strahl für Testmessungen in die Messkammer. (ausf. BU am Textende, Foto: Amadeus Bramsiepe, KIT)

Batterien auf molekularer Ebene beim Laden zuschauen – das wollen Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universität Münster mithilfe des neuen Messinstruments NAPXAS am Karlsruhe Research Accelerator (KARA). Es macht Flüssigkeiten für die Synchrotronforschung zugänglich und ermöglicht damit einzigartige Einblicke in Energiespeicherprozesse.

Synchrotronstrahlung ist elektromagnetische Strahlung aus Teilchenbeschleunigern, beispielsweise in Form von weicher Röntgenstrahlung. Sie ermöglicht Einblicke in die innere Struktur und Funktionsweise von Materialien und spielt damit bei der Entwicklung von Spitzentechnologien eine wichtige Rolle. Für die Forschung an elektrochemischen Speichern für die Energiewende ist weiche Röntgenstrahlung (mit Wellenlängen um ein bis zwei Nanometer) optimal geeignet, sie war bislang aber nur bedingt einsetzbar. „Das Batteriematerial musste unter Schutzgas aufwendig extrahiert, getrocknet, auf geeignete Probenträger aufgeklebt und – ohne Kontamination durch Luft oder Feuchtigkeit – in das Vakuum einer Messkammer übertragen werden“, sagt Dr. Peter Nagel vom Institut für QuantenMaterialien und Technologien (IQMT) des KIT. „Um ganze Ladezyklen zu betrachten, mussten diese Arbeitsschritte dann an Hunderten unterschiedlich präparierten Batterien durchgeführt werden.“

Das soll sich nun mit dem neuen Messinstrument NAPXAS (steht für: Near Ambient Pressure X-ray Absorption Spectroscopy) ändern, das an der Weichröntgen-Analytik-Anlage WERA des IQMT an der KIT Light Source des Karlsruhe Research Accelerator (KARA) aufgebaut wurde. „Mit NAPXAS können Energieumwandlungs- und Alterungsprozesse in Energiespeichersystemen quasi unter nasschemischen Normalbedingungen spektroskopisch untersucht werden, und zwar live, während der Energiespeicher betrieben wird“, erklärt Nagel, der die Arbeiten aufseiten des KIT leitet.

Grenzen der Lithium-Ionen-Technologie neu vermessen

Eingesetzt wird NAPXAS zunächst im Forschungsprojekt LimLi (steht für: Überwinden von Limitierungen in Li-Ionen-Batterien) der Universität Münster. Dr. Karin Kleiner, welche die Forschungsarbeiten für das MEET (Münster Electrochemical Energy Technology) Batterieforschungszentrum der Universität Münster leitet, erklärt: „Wir wollen verstehen, was die Energiespeicherkapazität von Lithium-Ionen-Batterien auf atomarer Ebene begrenzt, um diese Grenzen überwinden zu können. Durch die Kombination aus theoretischen und innovativen experimentellen Ansätzen erhalten wir einzigartige Einblicke in Energiespeicherprozesse. Unser Ziel ist es, durch eine systematische Veränderung der aktiven Zentren in Batteriematerialien neue, effizientere Energiespeicher und -wandler zu entwickeln.“

International für die Forschung verfügbar

In der aktuell laufenden Testphase wird die neue Messeinrichtung optimiert. Die für die Messungen notwendige Synchrotronstrahlung wird von KARA bereitgestellt, der als Beschleuniger-Test-Facility und als KIT Light Source durch das Institut für Beschleunigerphysik und Technologie betrieben wird. Nach Abschluss dieser Testphase ist beabsichtigt, Forschenden weltweit die Nutzung des neuen NAPXAS-Messinstruments bei WERA über die Karlsruhe Nano Micro Facility zu ermöglichen, einer Hightech-Plattform zur Forschung an Funktionsmaterialien im Mikro- und Nanobereich. Die Sachmittel für NAPXAS werden über das Forschungsprojekt LimLi vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Verfügung gestellt. 

Weitere Informationen

Details zum KIT-Zentrum Energie

Ausführliche Bildunterschrift: Am neuen Messinstrument NAPXAS an der KIT Light Source fädeln Dr. Peter Nagel, Dr. Karin Kleiner und Amir Ghiami (v.l.n.r.) den Strahl für erste Testmessungen in die Messkammer. (Foto: Amadeus Bramsiepe, KIT)

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 10 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 22 800 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Das KIT ist eine der deutschen Exzellenzuniversitäten.

mhe, 15.05.2024
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Pressereferent
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